Spieler eins streikt


Meine größte Sorgen im Hinblick auf die Spielemesse in Essen in diesem Jahr war der Streik durch die GDL. Kein Bahnverkehr bedeutet eben auch keine Zugverbindung von Köln nach Essen. Heute morgen sah es dann so aus, als hätten die Lokführer ein Einsehen gehabt. Der Streik ging pünktlich zu Ende – man beachte die darin liegende Ironie im Zusammenhang mit der Bahn.

spiel2014

Die Züge fuhren also wieder und somit stand einem Besuch der Messe nichts mehr im Weg. Im ICE sitzend überfiel mich dann eine böse Hoffnung. Vielleicht wären möglicherweise andere potentielle Messebesucher streikbedingt verhindert. Zumindest am heutigen Tag, so dass es in den Hallen leerer als letztes Jahr sein würde.

Wir kennen das, kleine Sünde bestraft der liebe Gott sofort. Entsprechend viele Menschen nutzen den ersten Publikumstag der Spiel 2014 heute. Viele Menschen an sich auf engem Raum lösen bei mir bereits ein Gefühl der Beklemmung aus. Wenn man dann noch versucht, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, oder gar einen freien Spieltisch zu bekommen, wird es wirklich kritisch.

Mit viel gutem Willen haben wir es zwar geschafft, immerhin vier Spiele anzutesten. Die Favoriten auf der Wochen vorher erarbeiteten Liste waren jedoch nicht dabei.

Krosmaster Arena war das Einzige, welches in die engere Wahl gekommen wäre und auf meinen ausgedruckten Zetteln zumindest angekreuzt war. Mit 35 Euro befand sich der Preis auch im Mittelfeld – hier in DM umzurechnen und die Preise mit denen in den 90er Jahren zu vergleichen, macht nur depressiv. Allerdings machte mich der Sammelfigurenfaktor etwas unsicher. Positiv erwähnen sollte man die wirklich gelungenen Figurenmodelle.

Bei Pegasus spielten wir auch in drei Versuchen nicht Istanbul, was wir gehen Abend dann blind kauften, sondern Splash Up! (na ja) und im Wandel der Zeit Bronzezeit (zu viel Zufall). Auch ein Ausflug auf die Insel von Robinson Crusoe blieb uns leider verwehrt.

Nach erfolgreicher Beendigung der Salat und Frikadellenpause (mit dabei dieses Jahr selbstgemachten Ofenfrikadellen, leider viel zu wenig) ging es an die erste Einkaufsrunde. Alien Frontiers, ein Titel, der bereits im letzten Jahr auf der Einkaufsliste stand.

Ungespielt aber trotzdem gekauft wurde Winzige Weltreiche, da ich die Spielregeln kannte und mich das Kickstarter-Projekt schon seit Monaten fasziniert. Für 22 Euro war es fast schon ein Schnäppchen.

Leider ließ sich das von Arcadia Quest nicht sagen, für das bei Asmodee 75 Euro aufgerufen wurden. Auf Grund eines vorher vereinbarten Limits überstieg das definitiv unser Budget. Nett ausgesehen hat es, aber auch hier wieder: zu volle Tische, um es anzuspielen.

Wir probierten dann das mir bis dahin unbekannte ZhanGuo. Material in Ordnung, aber der Mechanismus sorgt für echtes Kopfzerbrechen und für je nach Mitspieler lange Downtime.

Kurz vor Toresschluss kauften wir noch das erwähnte Istanbul, die Schiffe-Erweiterung für Galaxy Trucker zum Preis von fünf Euro war bereits vergriffen. Der Rest des Budgets wird entsprechend in Wein angelegt.

Für ein Fazit muss ich die Eindrücke eigentlich sacken lassen – oder auch nicht. So viele Menschen machen, wie bereits erwähnt, wenig Spaß. Mehr schieben als spielen. Vielleicht müsste man auch eine Dauerkarte kaufen, um alles etwas lockerer anzugehen. Vor allem aber auch, um mehr zu sehen. Mit Sicherheit habe ich maximal 50 Prozent angeschaut. Über die Messehallen während der Umbauphase hatte ich bereits im letzten Jahr ausgelassen.

Generell ist mein Eindruck der, dass Vielspieler künftig tiefer in die Tasche greifen müssen. Was dann zusammen mit erhältlichen Erweiterungen eine teure Angelegenheit werden lässt. So kostet allein das Basis-Set von Helden der Normandie (stand auf meiner Kaufenswert-Liste) bereits 50 Euro.

Meine Frau und ich haben auch entschieden, eher nur noch in Ausnahmefällen reine Zweipersonenspiele zu kaufen – Polis beliebt trotz eines Preises von 19 Euro leider im Regal. Am besten sind für uns Spiele, die sich mit zwei bis vier Spielern gut spielen lassen und auch nicht zu anspruchslos sind. Insofern hoffen wir, eine gute Wahl getroffen zu haben.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Tiny Towns

Auf einem 4×4 großen Raster bauen die Spielerinnen und Spieler jeder für sich ihre kleine Stadt auf. Das passiert gleichzeitig, ohne Downtime und sorgt in der Variante „Prospektoren“ für taktische Rohstoffauswahl. Ein schönes und schnelles Spiel mit tollem Material.

Kitchen Rush

Bei Kitchen Rush handelt es sich um ein kooperatives Echtzeitspiel mit Sanduhren als Arbeiter zum einsetzen. Hektik und Streß in einem Restaurant werden dabei gut simuliert. Die Neuauflage von Pegasus sieht extrem gelungen aus.

Azul

Azul

Azul ist ein abstraktes Legespiele mit leicht zugänglichen Regeln und beindruckendem Spielmaterial. Nur am Anfang scheint die Interaktion nicht vorhanden zu sein, denn man kann seinen Mitspielern gehörig die Suppe versalzen.

Viticulture

Viticulture

Ansprechend gestaltetes Workplacementspiel rund um das Thema Weinanbau mit einer pfiffigen Solovariante. Benötig nach mehrfachen Spielen unbedingt die Erweiterungen.

Zuletzt wurde am 07.06. 2020 gespielt.