Episch eins auf die Nase

Am vergangene Mittwoch ging die Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung des Kartenspiels Epic zu Ende. Statt der benötigten 50.000$ wurden 585.122$ eingesammelt. Ein riesiger Erfolg für den Spielentwickler Robert Dougherty und seine Firma White Wizard Games.

Die magische Marke von 400.000$ wurde damit auch geknackt, das Stretch Goal beinhaltete das Versprechen, den Unterstützern noch vor Erscheinen des fertigen Spiels vorab eine Print & Play Fassung zukommen zu lassen. Mittwoch Abend lief dann der Drucker zu Hause heiß, als er die Bögen mit den Karten ausspuckte. Auch wenn es nur eine abgespeckte Version mit 60 statt 120 Karten wie in der Finalen Version ist, sollte es damit schon möglich sein, spannende Duelle zu spielen.

Bevor ich mich am Wochenende selber davon überzeugen konnte, musste ich mir vergangene Freitag erstmal genügen Kartenhüllen besorgen. Das ist zwar ein nicht ganz so billiges Vergnügen, aber die Hüllen sind dann auch schon da, wenn ich das fertige Spiel bekommen (im September, heisst es). Zusammen mit den Hüllen und Land (wer Magic the Gathering spielt, hat davon mehr als ausreichend) als Verstärkung konnte ich dann die Karten basteln — ganz ohne Kleber. Nach drei Stunden ausschneiden am Samstag war dann auch alles fertig und wartete darauf, ausprobiert zu werden.

Meiner Frau erklärte ich die Regeln, sie mischte die Karten und ich legte die Token-Kreaturen zurecht. Jeder von uns erhielt 30 Karten, davon 5 Karten als Starthand sowie 30 Lebenspunkte. Die Möglichkeit wie bei MtG, eine neue Starthand zu ziehen, gibt es bei Epic auch, nur etwas abgewandelt. Statt mit jedem so genannten Muligan weniger Karten neu zu ziehen, kann man eine beliebige Anzahl an Karten ablegen, sich dafür entsprechen viele neu ziehen und verliert so viele Lebenspunkte, wie man Karten gezogen hat.

Aber nicht nur das ist der Einzige Unterschied zu Magic the Gathering. Hat man bei Epic seinen gesamten Zugstapel aufgebraucht und kann keine Karte mehr nachziehen, gewinnt man das Spiel. Dadurch ergeben sich interessante Effekte, weil es unter anderem weniger lukrativ wird, bereits abgeworfenen Karten wieder unter sein Deck zu schieben (zu verbannen).

Skeptisch war ich am Anfang etwas in Bezug auf die Resource, die einem das Ausspielen von Karten ermöglicht. Pro Runde erhält jeder Spieler genau ein Gold — hat er noch welches aus der Vorrunde über, wird dieses zuvor auf Null gesetzt. Karten kosten entweder Null oder genau ein Gold und sind entweder Kreaturen (Champions) oder Ereignisse. Natürlich leiden Kreaturen unter Einsatzverzögerung, werden Karten getappt. Es fliegen Kreaturen genauso wie die Möglichkeit, seine Kartenhand oder seinen Abwurfstapel zu manipulieren.

Dennoch, Epic spielt sich anders als Magic the Gathering. Irgendwie runder, weil die berüchtigte Manakurve fehlt. Dadurch sinkt der Glücksfaktor. Die Möglichkeit, in Wellen anzugreifen, weil bereits eine blockende gegnerische Kreatur den gesamten Angriff zum Stillstand bringt, erhöht das Pokergefühl.

Meine Frau und ich hatten in den bisher sechs Partien viel Spaß, auch wenn ich fünf davon verloren habe. Gespannt sind wir auf jeden Fall schon auf die Vollversion, die ein Spiel mit bis zu vier Spielern (mit einer einzigen Packung!) und zusätzlichen Turnierformaten ermöglicht.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Glen More II: Chronicles

Ein Legespiel mit schottischen Clans, Whisky und einem erstaunlich gutem Mechanismus für die Spielerreihenfolge. Die namensgebenden Chronicles sind dabei kein Legacy-Verschnitt, sondern eine Modulare Bereicherung mit neuen Herausforderungen.

Klong!

Wer auf der Suche nach einem originellen Deckbuilder ist, stolpert möglicherweise und erzeugt ein Klong! Selbst dem Drachen gefällt die Jagd nach Schätzen auf dem Spielplan.

Age of Steam

Der Aufbau eines lukrativen Eisenbahnnetzes zum Transport von Waren ist Ziel bei Age of Steak. Das Ganze spielt sich locker und weniger zeitintensiv als die 18xx-Reihe.

Everdell

Der Aufbau einer Stadt im Wald ist in in Everdell eine erfrischend Umsetzung eines Workerplacment Spiels. Eine einfache Grundmechanik bietet durch Effekt-Ketten bereits ausgespielter Karten viel Raum für Strategien. Die Gestaltung, Material und nicht zuletzt der große 3D-Baum auf dem Spielplan sorgen für Stimmung am Tisch.

Zuletzt wurde am 13.05. 2020 gespielt.