Geld kommt aus der Regel

Mir machen Brettspiele am meisten Spaß, wenn sie regelkonform gespielt werden. Ein Spielmechanismus ist ein empfindliches Gebilde und sofern eine Regel anders als vom Designer / Autor vorgesehen ausgelegt wird, hat das weitreichende Folgen. Den Begriff „Regel-Nazi“ finde ich persönlich aus einer ganzen Reihe von gründen widerwärtig.

Regeln sind auch jenseits von Brettspielen wichtig, was aber ein völlig anderes Thema wäre. Bei Spielen dienen sie dazu, faire Bedingungen für alle Mitspieler zu schaffen. Mich ärgert es, wenn ich durch oberflächliches lesen einen Punkt in der Regel übersehe. Sofern es zu einem Fehler führt, von dem alle Spieler profitieren beziehungsweise durch den alle benachteiligt werden, kann man es verschmerzen. Besser spielt sich aber korrekt. Hausregeln oder Varianten sind in Ordnung, sofern sich alle Spieler vorher drauf geeinigt haben — und sie niemanden benachteiligen beziehungsweise bevorzugen.

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Die letzten beiden Partien Scythe am vergangen Wochenende zeigten mir, dass auch sieben zuvor gespielte Partien kein Garant dafür sind, regelfest zu sein. Zwei Dingen spielten wir falsch. In Bezug auf die normale Bewegungsaktion übersah ich, dass sich jeweils eine Einheit um ein Feld bewegen kann und es nicht zwei Bewegungen sind, die ich auf zwei oder eben eine Einheit aufteilen kann — bei anderen Spielen ist das möglich, was wohl diesen Fehler erklärt.

Wenn alle sich so bewegen, halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Korrekt ist aber definitiv (wird auch anhand der Fabrica-Karte deutlich: Die zwei Standardbewegungen beziehen sich auf zwei verschiedene Einheiten.

Wirkliche Konsequenz hat es, wenn man bei den „Unteren Aktionen“ den Sätze unter „Abgeschlossene Aktionen“ ignoriert:

Es ist möglich, dass du eine untere Aktion „abgeschlossen” hast (z.B. die Entwicklungsaktion: es kann der Punkt kommen, an dem keine weitere Entwicklung möglich ist). Ab diesem Punkt darfst du weiterhin die Kosten der Aktion bezahlen, um die Münzen zu erhalten (und den Rekrutierungsbonus, falls zutreffend).

Die Auswirkungen hier sind enorm. Für jeweils zwei Rohstoffe erhält man bei Spielende im besten Fall drei Geldeinheiten. Je nach dem, wo sie der eigene Popularitätsmarder befindet, können es auch nur zwei oder sogar lediglich eine sein.

Je nach dem, welches Spielertableau man hat und wie man die Upgrades durchgeführt wurden, erhält man für einen Rohstoff zwei Münzen oder sogar drei Münzen. Es gibt auch Kurse mit zwei Rohstoffen zu drei Münzen. Das kostet zwar eine Aktion, was aber keine Rolle spielt, wenn man ehedem die obere Aktion nutzen will und die untere ohne die Berücksichtigung der Regel ungenutzt geblieben wäre.

Da der Spieler am Ende gewinnt, der über das meiste Geld verfügt, kann das schon mal über Sieg oder Niederlage entscheiden, ob und wie man Ressourcen umwandelt. Das Geld ist im Spiel auch das einzige Element, welche einem von keinem Spieler streitig gemacht werden kann. Wer Geld hortet, macht sich zudem etwas unabhängiger von der Popularität, die ansonsten bei Spielende ein wichtiger Multiplikator ist.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Glen More II: Chronicles

Ein Legespiel mit schottischen Clans, Whisky und einem erstaunlich gutem Mechanismus für die Spielerreihenfolge. Die namensgebenden Chronicles sind dabei kein Legacy-Verschnitt, sondern eine Modulare Bereicherung mit neuen Herausforderungen.

Klong!

Wer auf der Suche nach einem originellen Deckbuilder ist, stolpert möglicherweise und erzeugt ein Klong! Selbst dem Drachen gefällt die Jagd nach Schätzen auf dem Spielplan.

Age of Steam

Der Aufbau eines lukrativen Eisenbahnnetzes zum Transport von Waren ist Ziel bei Age of Steak. Das Ganze spielt sich locker und weniger zeitintensiv als die 18xx-Reihe.

Everdell

Der Aufbau einer Stadt im Wald ist in in Everdell eine erfrischend Umsetzung eines Workerplacment Spiels. Eine einfache Grundmechanik bietet durch Effekt-Ketten bereits ausgespielter Karten viel Raum für Strategien. Die Gestaltung, Material und nicht zuletzt der große 3D-Baum auf dem Spielplan sorgen für Stimmung am Tisch.

Zuletzt wurde am 13.05. 2020 gespielt.