7 Spätzünder

Manche Dinge dauern bei meiner Frau und mir etwas länger. Allerdings sollte man meinen, Zeit würde keine Rolle spielen, wenn es sich um ein Thema aus der Antike dreht. Sieben Weltwunder, was soll da schon passieren. Wobei wir alle die traurige Wahrheit kennen: eine ganze Menge. Es reichen bereits ein paar Idioten aus, die sich selber „Islamischer Staat“ nennen, um aus einem Weltkulturerbe einen Trümmerhaufen zu machen.

Unterlassen wir es aber lieber, eine politische Diskussion zu entfachen, wenn es eigentlich um so was banales wie ein Brettspiel gehen sollte. Auch da gibt es Wunder, sogar ein Brettspiel namens „7 Wonders“, welches 2011 den Spielpreis „Kennerspiel des Jahres“ erhielt. Bisher habe ich das zwei Mal gespielt, beide Mal in einer Besetzung von sechs Spielern und es hat mich nicht umgehauen. Insbesondere störte mich der extra geringe Einfluss auf Mitspieler, die nicht unmittelbar neben mir sitzen. Ich hatte auch das Gefühl, man bekäme nicht genau mit wenn jemand bei Spiel mogelt — etwas, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann.

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Wie dem auch sei, es gibt auch ein eigenständiges Spiel für genau zwei Personen, genannt „7 Wonders Duel“. Bisher flog das bei mir unter dem Radar, obwohl es in einigen Rezensionen lobend erwähnt wurde. Bereits vor den Herbstferien bekam ich es kostenlos und frei Haus geliefert, dank ausreichender Paybackpunkte. Bis Anfang dieser Woche schlummerte es jedoch noch eingeschweißt im Spielregal. Da einer der unausgesprochenen Vorsätze bei meiner Frau und mir lautet, die in diesem Jahr gekauften Spiele auch tatsächlich alle mindestens drei Mal zu spielen, mussten wir entsprechend ran.

Bereits beim Regelstudium bekam ich den Eindruck, ein schlankeres, besseres 7 Wonders vor mir zu haben. Eine direkte Konfrontation mit dem Mitspieler (eben ein Duel). Jede Entscheidung würde sich direkt auf das Spielgeschehen und die Möglichkeiten des Gegners auswirken. Interessant wirkte auf mich auch die Möglichkeit, dass Spiel auf drei verschiedene Arten zu gewinnen. Entweder vorzeitig durch einen militärischen Sieg beziehungsweise eine wissenschaftliche Überlegenheit oder nach drei Zeitaltern durch die meisten Siegpunkte.

Die erste von bisher zwei gespielten Partien zeigte dann, das mein Eindruck nicht täuschte. Bei der zweiten Partie, die tatsächlich dann in der auf der Schachtel angegeben Spielzeit von 30 Minuten zu Ende war, trübte sich der Ersteindruck etwas. Gefühlt war das Spiel zu schnell zu Ende. Und eigentlich zeiht man nur Karten und entscheidet sich für eine von genau drei Möglichkeiten, diese Karte zu verwenden. Mir ist das etwas zu wenig. Auch wenn das Material stimmig ist, thematisch bleibt es doch eher ein abstraktes Spiel. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das Spiel spiele oder das Spiel mich.

Klar, es gibt ein paar geniale Zugmöglichkeiten. Meine Frau baute zwei Wunder hintereinander durch die Doppelzug-Möglichkeit, die eines der Wunder gab. Da das zweite Wunder die auch noch hatte, waren das drei Züge hintereinander. Nütze aber alles leider nichts, da ich den militärischen Sieg errang. Ihre angesammelten Punkte über blauen Karten waren damit wertlos.

Möglich, dass wir noch was übersehen haben und die nächste Partie richtig spannend wird. Selbst dann aber erschließt mir nicht, warum ich 7 Wonders: Duel spielen sollte. Sicher, wenn man nur 30 Minuten Zeit hat, ist es ein gutes Spiel. Aber wenn eine längere Spielzeit möglich ist, gibt es zumindest bei uns im Regal genügend Alternativen, die ich dann vorziehen würde. Zum Beispiel Agricola, wo meine Frau und ich mittlerweile so zügig spielen, dass 45 Minuten für eine Partei ausreichen.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Tiny Towns

Auf einem 4×4 großen Raster bauen die Spielerinnen und Spieler jeder für sich ihre kleine Stadt auf. Das passiert gleichzeitig, ohne Downtime und sorgt in der Variante „Prospektoren“ für taktische Rohstoffauswahl. Ein schönes und schnelles Spiel mit tollem Material.

Kitchen Rush

Bei Kitchen Rush handelt es sich um ein kooperatives Echtzeitspiel mit Sanduhren als Arbeiter zum einsetzen. Hektik und Streß in einem Restaurant werden dabei gut simuliert. Die Neuauflage von Pegasus sieht extrem gelungen aus.

Azul

Azul

Azul ist ein abstraktes Legespiele mit leicht zugänglichen Regeln und beindruckendem Spielmaterial. Nur am Anfang scheint die Interaktion nicht vorhanden zu sein, denn man kann seinen Mitspielern gehörig die Suppe versalzen.

Viticulture

Viticulture

Ansprechend gestaltetes Workplacementspiel rund um das Thema Weinanbau mit einer pfiffigen Solovariante. Benötig nach mehrfachen Spielen unbedingt die Erweiterungen.

Zuletzt wurde am 07.06. 2020 gespielt.