Der Weltraum — unendliches Weinen

Möglicherweise habe ich mittlerweile eine Schwelle überschritten und bin voll dabei, eine alter, konservativer Knochen zu werden. Oder aber es handelt sich dabei einen deutlich Zuwachs an Erfahrung, die mich gewisse Dinge und Entwicklungen besonders kritisch hinterfragen lässt.

Es kann natürlich auch ganz einfach sein, dass ich zu faul bin, mich von Spielen aus meiner Sammlung zu trennen und der fehlende Platz für Neues dazu führt, genau hin zu sehen wenn etwas angekündigt wird.

Wahrscheinlich ist eine Mischung aus allem. Gelernt habe ich (hoffentlich), nicht mehr blind zu kaufen und zu sammeln, sondern die gesamte Sammlung Stück für Stück zu fokussieren. Ich weiß, welche Art von Spielen meine Frau und ich mögen, was wir zu zweit und / oder auch mit anderen spielen können.

Nikiko / Pixabay

Letzten Samstag hatte ich mich bereits zum Thema Erweiterungen geäußert. Ein andere Bereich ist die Übertragung eines funktionierenden Spiels auf ein neues Thema, gerne auch mit Lizenzen. Also in etwa ein Pferd reiten, bis es tot ist und dann den Sattel nicht abnehmen, sondern so lange weiter reiten, bis das Pferd komisch riecht.

Extreme Formen sind beispielsweise „Herr der Ringe Risiko“, „Zelda Monopoly“ oder „Star Wars Carcassonne“. Schlechte Spiele werden durch so was nicht besser und gute Spieler können darunter leiden. Ein gutes Spiel kann man so stehen lassen. So finde ich „Siedler von Catan“ nach wie vor gelungen, es gehört meiner Meinung nach auch in jede gute Spielesammlung. Ob man dafür die zahlreichen Erweiterungen benötigt, ist letzten Endes Geschmacksache. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Gleichermaßen ließe sich über die Sinnhaftigkeit des Spiels „Die Sternenfahrer von Catan“ streiten. Die Siedler im Weltraum. Haben wir uns damals gekauft und exakt einmal gespielt. Überzeugt hat uns das genau so wie „Die Siedler von Catan Deutschlandedition“ — also gar nicht.

Es heisst, im Weltraum hört dich niemand schreien. Und weinen dann erst recht nicht. Zum Weinen ist mir zumute, seit dem ich Anfang der Woche etwa über das „Gaia Projekt“ gehört habe. Böswillig auf den Punkt gebracht ist das Terra Mystica im Weltraum. Das Terra Mystica ein verdammt gutes Spiel ist, werden wohl nur wenige bestreiten. Wieso muss man dazu eine Weltraum-Version machen?

Spiele mit Weltraumthematik mag ich. Deswegen auch der Fehlkauf von „Die Sternenfahrer von Catan“. Gelungen sind solche Spieler meiner Meinung nach aber immer dann, wenn sie von Grund auf entwickelt und nicht adaptiert wurden. „Eclipse“ gibt es nicht Fantasy-Thematik (und hoffentlich kommt jetzt der Verlag nicht auf komische Ideen). Klar werde ich das „Gaia Projekt“ im Auge behalten, aber Anlass für eine Hype-Hysterie sehe ich hier nicht. Es wird auch in diesem Herbst eine Menge neuer, frischer und innovativer Spiele geben. Für meine Sammlung brauche ich da nicht etwas, das zum zweiten Mal aufgebacken wurde.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Glen More II: Chronicles

Ein Legespiel mit schottischen Clans, Whisky und einem erstaunlich gutem Mechanismus für die Spielerreihenfolge. Die namensgebenden Chronicles sind dabei kein Legacy-Verschnitt, sondern eine Modulare Bereicherung mit neuen Herausforderungen.

Klong!

Wer auf der Suche nach einem originellen Deckbuilder ist, stolpert möglicherweise und erzeugt ein Klong! Selbst dem Drachen gefällt die Jagd nach Schätzen auf dem Spielplan.

Age of Steam

Der Aufbau eines lukrativen Eisenbahnnetzes zum Transport von Waren ist Ziel bei Age of Steak. Das Ganze spielt sich locker und weniger zeitintensiv als die 18xx-Reihe.

Everdell

Der Aufbau einer Stadt im Wald ist in in Everdell eine erfrischend Umsetzung eines Workerplacment Spiels. Eine einfache Grundmechanik bietet durch Effekt-Ketten bereits ausgespielter Karten viel Raum für Strategien. Die Gestaltung, Material und nicht zuletzt der große 3D-Baum auf dem Spielplan sorgen für Stimmung am Tisch.

Zuletzt wurde am 13.05. 2020 gespielt.