Unentschlossenes Gloomhaven

Das englische Gloomhaven ist mit 10 Kilogramm Lebendgewicht ein wahres Monster auf dem Spieltisch. Diese Woche kündigte der Verlag Feuerland-Spiele die deutsche Übersetzung an.

Katzen mögen Spiele

Sofern man als Brettspieler die letzten Monate nicht unter einem Stein gelebt hat, sollte man von Gloomhaven gehört haben. Möglichst knapp beschrieben handelt es sich um einen kooperativen Dungeon Crawler. Man benötigt keinen Spielleiter, dafür aber viel Zeit. Um die Kampagne durch zu spielen, wird man wohl 90 Stunden und mehr benötigt. Genau weiß ich das selber nicht, denn um das Spiel bin ich bisher herumgeschlichen wie die Katze um den heißen Brei. Abgeschreckt hat mich der hohe Preis von mindestens 130 Euro, die Spielzeit für nur ein Spiel und die Tatsache, dass es bisher nur komplett in Englisch zu haben ist. Trotzdem schleiche ich um das Spiel herum, wohl auch, weil es bei Boardgamegeek eine hohe Bewertung (9.0) )bekommen hat und sich dort auf Platz eins der Bestenliste behauptet.
Für das Spiel sprecht sein erfrischendes Fantasysetting, die Mischung aus Kampagne Spiel mit Legacy-Elementen — man überklebt und modifiziert, aber zerstört nie etwas vollständig, auch wenn man Boxen aufmacht. Gerüchten zu folge soll das Spiel sogar nach der Kampagne noch reizvoll zu spielen sein. Mein persönlicher Eindruck kratzt eher an der Oberfläche, ich habe lediglich zweimal in unterschiedlicher Besetzung das erste Szenario gespielt.

Unentschlossenes Gloomhaven
TimHill / Pixabay

Gloomhaven reizt

Von meiner anfänglichen Haltung, das Spiel nie kaufen zu wollen, ist mittlerweile nicht mehr viel über geblieben. Ich habe mich sogar bei Feuerland für die deutsche Version registriert. Das hängt zusammen mit einem Sinneswandel, aber auch einer Entwicklung. Wie Mitte Januar geschrieben haben meine Frau und ich Andor eine zweite Chance gegeben und Blut geleckt. Uns macht das kooperative tüfteln zu zweit enormen Spaß, es ist etwas anderes als immer nur gegeneinander zu spielen. Es ist auch deshalb etwas anderes, weil man eine vorlaufende Geschichte verfolgt, die meiner Meinung nach reizvoller ist als in bestimmten Weltuntergangs-Seuchen Spielen. Zumal man bei Andor immer wieder eine Legende spielen kann, bis man sie endlich gemeistert hat. Genau das lässt sich so wie ich mitbekommen habe auch im Prinzip beim Gloomhaven machen. Man wird nicht von Monat zum Monat getrieben.
Kommen wir aber zu meinen anfänglich bereits geäußerten Bedenken gegen das Spiel und dazu, was davon noch über ist. Der Kaufpreis wird bei Feuerland für die übersetzte Fassung nicht anders sein. Hier muss man als Spieler jedoch ehrlich prüfen, wie sich das bei anderen Spielen verhält. Wer etwa alle Erweiterungen zu Andor kauft, kommt mindestens auf den gleichen Preis. Und hat nicht mal eine Spielfigur aus Kunststoff dabei.

Kaufgründe suchen

Auch wenn ich generell bei vielen Spielen englische Version (wenn es dir Originalfassung ist) bevorzuge, schreckt mich das bei Kampagnenspielen ab. Englische Regeln zu lesen ist kein Problem für mich, häufig genug scheitere ich eher an schlechten deutschen Übersetzungen. Auch hasse ich es, wenn das Grundspiel zwar auf Deutsch erscheint, Erweiterungen dann aber gar nicht oder mit erheblicher Zeitverzögerung. Wenn viel Text aber Bestandteil des Spiels ist und auch noch für die Stimmung am Spieltisch vorgelesen werden sollte, bevorzuge ich Deutsch um auf der sicheren Seite zu sein. Durch die bevorstehende Übersetzung von Gloomhaven durch Feuerland hat sich auch dieses Hindernis erledigt.
Bleibt noch die hohe Spielzeit. Auch hier hilft der Verweis auf Andor — oder etwa Viticulture. Es ist durchaus reizvoll, innerhalb eines Jahres ein Spiel ziemlich häufig zu spielen. Vor allem, weil mit man so regelfest wird, dass man quasi im Schlaf spielen könnte. Bei Viticulture brauche ich zum erklären nicht mal mehr einen einzigen Blick in die Anleitung. Abstand genommen habe ich nach den Erfahrungen im letzten Jahr auch davon, möglichst viele unterschiedliche Spiele zu spielen. Zwar reizt und lockt immer das Neue, aber von den einzelnen Spielen bleibt zu wenig hängen.

Wartezeit sinnvoll verbringen

Bis Gloomhave jetzt auf Deutsch erscheine wird, dauert es noch. Anvisiert ist der Oktober, vermutlich zu Spielmesse. In der Zwischenzeit kann ich mir schon mal Farben kaufen und prüfen, was von den Pinseln aus meiner Warhammer-Zeit noch brauchbar ist. Gestern Abend fiel nämlich bei meiner Frau und mir der Entschluss, die Figuren auf jeden Fall zu bemalen — wenn man schon so viel Zeit mit ihnen verbirgt. Zudem kann ich mir noch mal selber durchlesen, was ich letztes Jahr im April zum Spiel geschrieben habe.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Glen More II: Chronicles

Ein Legespiel mit schottischen Clans, Whisky und einem erstaunlich gutem Mechanismus für die Spielerreihenfolge. Die namensgebenden Chronicles sind dabei kein Legacy-Verschnitt, sondern eine Modulare Bereicherung mit neuen Herausforderungen.

Klong!

Wer auf der Suche nach einem originellen Deckbuilder ist, stolpert möglicherweise und erzeugt ein Klong! Selbst dem Drachen gefällt die Jagd nach Schätzen auf dem Spielplan.

Age of Steam

Der Aufbau eines lukrativen Eisenbahnnetzes zum Transport von Waren ist Ziel bei Age of Steak. Das Ganze spielt sich locker und weniger zeitintensiv als die 18xx-Reihe.

Everdell

Der Aufbau einer Stadt im Wald ist in in Everdell eine erfrischend Umsetzung eines Workerplacment Spiels. Eine einfache Grundmechanik bietet durch Effekt-Ketten bereits ausgespielter Karten viel Raum für Strategien. Die Gestaltung, Material und nicht zuletzt der große 3D-Baum auf dem Spielplan sorgen für Stimmung am Tisch.

Zuletzt wurde am 13.05. 2020 gespielt.