Tanz ums neue Spiel

Es gibt ein Fieber des Neuen, der auch vor Brettspielern nicht Halt macht. Monat für Monat beginnt der Tanz ums neue Spiel erneut.

Aaron mach mir ein Spiel

„Als das Volk sah, dass Neuheiten noch immer nicht verfügbar waren, versammelten es sich um kickstarter und sprachen: Komm, mach uns Spiele, die vor uns herziehen.“ Oder so ähnlich. Dürfen, bei „Abenteuer Brettspiel“ gibt es einen neuen Artikel zum Thema „Cult of the New“. Gleich im Titel wird die Frage gestellt, ob neue Brettspiel tatsächlich besser sind. Natürlich reizen auch mich Neuerwerbung, obwohl die Regale bereits zum brechen voll sind. Einen Tanz ums neue Spiel veranstalte ich allerdings nicht, hinsichtlich Plattformen wie kickstarter übe ich mich in vorsichtiger Zurückhaltung.
Bereits letzte Woche Freitag hatte ich mich zum Phänomen der überhitzten analoge Spiele geäußert. Alles dreht sich immer schneller, vielleicht auch ein Effekt des „Cult of the New“. Es kommen mehr Neuheiten auf den Markt, es wird schneller gekauft, aber möglicherweise sogar weniger gespielt. Der Akt des Kaufens tritt an die Stelle des Spielerlebnis. Das würde auch erklären, warum im Brettspielflohmarkt immer häufiger noch eingeschweißte Spiele auftauchen. Und warum bei manchem der so genannte „Pile of Shame“ beständig weiter wächst.

Tanz ums neue Spiel
RyanMcGuire / Pixabay

Bewusstloser Tanz ums neue Spiel

Mehr bedeutet nicht automatisch auch besser. Peer ist da auch der Ansicht, das bei vielen der neueren Spiele nicht so auf die Qualität geachtet wird. Wobei man hier Qualität genauer definieren sollte. Im Vergleich zu älteren Spielen in meiner Sammlung ist auf jeden Fall die Materialqualität beachtlich gestiegen. Anders dagegen sieht es mit den Spielregeln und dem Wiederspielwert aus. Gerade letzteres nimmt meiner Meinung nach stark ab, was dann auch erklären würde, warum man mitmacht beim Tanz ums neue Spiel — es wird Nachschub benötigt.
„Früher kamen neue Brettspiel einfach raus“ — eine sehr zutreffend Analyse von Peer. Das war auch mein Gedanken im letzten Artikel zum überhitzten Markt. Die Spiele kamen raus, wurden rezensiert und dann eventuell gekauft. Heute ist es durch kickstarter ja genau umgekehrt. Dieser Tanz ums neue Spiel hat den Nebeneffekt, dass ältere Spiele (in der eigenen Sammlung) mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Ziemlich erstaunt war ich über ein Video von Brettspiele & mehr. Es ging darin um empfehlenswerte Spiele für die eigene Spielesammlung. Titel wie etwa „Siedler von Catan“ wurden ganz bewusst nicht in Erwähnung gezogen. Sie seien ja zu alt. Ganz ehrlich, dass ist relativ.

Herz für alte Spiele

Wenn man mal so Sachen wie „Go“, „Schach“ und das unselige „Monopoly“ und andere außer Acht lässt, dann habe ich in meiner Sammlung Spiele wie zum Beispiel Acquire. Das stammt aus den 60er Jahren. Da ist Catan noch ein richtiger Jungspund gegen. Und ist Acquire jetzt ein schlechtes Spiel, weil es alt ist? Ganz im Gegenteil, es gehört zu einer der besten Spiele in meiner Sammlung. Ich mag seine Eleganz, die einfachen und kurzen Regeln so wie seinen Wiederspielwert.
Bei Catan bin ich mir im Übrigen ziemlich sicher, dass es in jede ordentliche Spielesammlung gehört. So manches neue Spiel muss sich erstmal beweisen und so einen Kultstatus wie Catan erlangen. Ein Spiel, bei dem die Weltmeisterschaft 2018 in Köln stattfindet, muss man einfach lieb haben.
Im Grunde macht es nicht die Masse an Spielen in der eigenen Sammlung, sondern die bewusste Auswahl. Mittlerweile vertrete ich den Standpunkt, dass man auch ein Spiel mindestens 10 Mal gespielt haben sollte. Um es zu beurteilen, aber auch um es als regulären bestandteil seiner Sammlung zu betrachten.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Glen More II: Chronicles

Ein Legespiel mit schottischen Clans, Whisky und einem erstaunlich gutem Mechanismus für die Spielerreihenfolge. Die namensgebenden Chronicles sind dabei kein Legacy-Verschnitt, sondern eine Modulare Bereicherung mit neuen Herausforderungen.

Klong!

Wer auf der Suche nach einem originellen Deckbuilder ist, stolpert möglicherweise und erzeugt ein Klong! Selbst dem Drachen gefällt die Jagd nach Schätzen auf dem Spielplan.

Age of Steam

Der Aufbau eines lukrativen Eisenbahnnetzes zum Transport von Waren ist Ziel bei Age of Steak. Das Ganze spielt sich locker und weniger zeitintensiv als die 18xx-Reihe.

Everdell

Der Aufbau einer Stadt im Wald ist in in Everdell eine erfrischend Umsetzung eines Workerplacment Spiels. Eine einfache Grundmechanik bietet durch Effekt-Ketten bereits ausgespielter Karten viel Raum für Strategien. Die Gestaltung, Material und nicht zuletzt der große 3D-Baum auf dem Spielplan sorgen für Stimmung am Tisch.

Zuletzt wurde am 13.05. 2020 gespielt.