Agricola Bootcamp

Strategie und Grundausbildung gehören zum Militär. Da Strategie auch bei Brettspielen eine Rolle spielt, ist die Teilnahme an einem Bootcamp nicht abwegig.

Jenseits der Grundausbildung

Es gibt vermutlich auch auf Bauernhöfen eine Art Bootcamp. Wirklich wichtig ist das allerdings nicht. Mir geht es schließlich nicht um das echte Leben auf dem Bauernhof — davon habe ich für den erst meines Lebens auch genug Erfahrungen. Für mich dreht es sich beim Bootcamp wie eingangs erwähnt um eines für Brettspiel. In diesem besonderen Fall um eins für Agricola. Was dann wiederum die theoretische Verbindung zum Bauernhof herstellt. Wir erinnern uns: Das Hard-Core Worker-Placement-Spiel Agricola hat als thematischen Hintergrund Bauernhöfe im 17. Jahrhundert. Für mich gehört das Spiel auf Grund seiner Vielfalt und dem Druck, seine Familienmitglieder zu ernähren, nach wie vor zu einem der besten Spiele in meiner Sammlung.
Über die Mischung von Planbarkeit und Unabwägbarem schrieb ich bereits letztes Jahr, nach Abschluss von zehn Partien. Den Reiz hat es bisher nicht verloren. Auf Grund der bisherigen Erfahrung würde ich persönlich auch behaupten, der den Level Grundausbildung hinaus gekommen zu sein. Aber wie das so ist, Luft nach oben ist immer vorhanden.

Bootcamp
skeeze / Pixabay

Bootcamp bei Agricola

Mittlerweile zählt für mich unabhängig von der Platzierung jede 2-Spieler Partei mit einem persönlichen Punkteergebnis unter 40 als Niederlage. Dieses Wochenende nutzen meine Frau und ich dazu, in einer Art Bootcamp die besten Strategien beim Spiel herauszufinden. Ob wir damit jemals bei einem Agricola-Turnier wie derzeit in Herne über das Mittelmaß hinaus kommen würden, sei dahingestellt. Aber darum geht es bei diesem Bootcamp für uns gar nicht. Zwei, möglicherweise drei Dinge stehen im Vordergrund.
Als erstes natürlich die Absicht, gute Spiele häufiger zu spielen. Was wiederum deshalb auch der Fall sein sollte, weil gute Spiele schließlich auch Spaß machen. Und um den geht es vor allem.
Eine gewisse Portion Ehrgeiz spielt bei Agricola auch eine Rolle. Auch in einer Partei mit mehreren Personen wollen wir nicht auf die hinteren Plätze verwiesen werden. Die letzte Spiel bei unseren Nachbarn und unser unrühmliches Abschneiden ist mir trotz des zeitlichen Abstands noch gut in Erinnerung. Daher das Bootcamp, denn eine weitere Partie mit mehr als zwei Spielern steht vor der Haustür.

Eröffnungsvarianten

Man kann sich natürlich auch bei Boardgamegeek und anderen Seiten durch diverse Beiträge lesen. Theorie ist das eine, Praxis das andere. Mir geht das jedenfalls so, zum Beispiel bei der Bedienung unserer Espressomaschine. Über die Zubereitung von perfekten Milchschaum kann man sicher viel lesen. Nach fast einem Jahr weiss ich jedoch, dass am Spruch „Übung macht den Meister“ eine Menge Wahres dran ist.
Gleiches gilt für die richtige Menge Espressopulver. Die Timer-Funktion an der Mühle habe ich mittlerweile abgeschaltet und verlasse mich lieber auf meine Beobachtung hinsichtlich der Menge.
Beobachtungen sind bei Agricola ebenso wichtig, denn nur dadurch, dass man aufmerksam die Züge seiner Mitspieler verfolgt, kann man seine Strategie planen. Agricola ist interaktiver, als es den Anschein hat. Niemand bastelt alleine an seinem Bauernhof herum. Sammle ich etwa das ganze Holz ein, wirkt sich das unmittelbar auf die Aktionsmöglichkeiten der anderen Spieler aus.
Als grobe Faustformel scheint zu gelten: Ausbildungskarten plus Kleine Anschaffungen und die freien Felder, wenn man in der ersten Runde seinen ersten Zug macht, ergeben die Eröffnung.

Nur in der Draft-Variante

Um das Glück beim Verteilen der Handkarten zu kompensieren, spielen meine Frau und ich Agricola ausschließlich in der Draft-Variante, die in den Spielregeln erwähnt wird. So kann man gut planen, welche erste Ausbildung und erste kleine Anschaffung für einen selber in Frage kommen. Die sollten auch relativ stark sein, die schwächeren karten spielt man später oder eher gar nicht.
Im Übrigen haben wir auch spürbare Unterschiede der früheren Ausgaben von Agricola im Vergleich zur 2016er-Auflage festgestellt. Der neue Spielplan ist aufgeräumter, die Regeln übersichtlicher und vorbildlich erklärt. Auch die Karten der Kleinen Anschaffungen und Ausbildungen wurde verändert. Die alte Unterteilung in E, I und K Deck entfällt. Glücklicherweise konnten wir gestern die Neuauflage zum Schnäppchenpreis von 35 Euro erstehen. Damit entfällt dann auch die Ausrede, die Badehose sei Schuld an der Niederlage.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Tiny Towns

Auf einem 4×4 großen Raster bauen die Spielerinnen und Spieler jeder für sich ihre kleine Stadt auf. Das passiert gleichzeitig, ohne Downtime und sorgt in der Variante „Prospektoren“ für taktische Rohstoffauswahl. Ein schönes und schnelles Spiel mit tollem Material.

Kitchen Rush

Bei Kitchen Rush handelt es sich um ein kooperatives Echtzeitspiel mit Sanduhren als Arbeiter zum einsetzen. Hektik und Streß in einem Restaurant werden dabei gut simuliert. Die Neuauflage von Pegasus sieht extrem gelungen aus.

Azul

Azul

Azul ist ein abstraktes Legespiele mit leicht zugänglichen Regeln und beindruckendem Spielmaterial. Nur am Anfang scheint die Interaktion nicht vorhanden zu sein, denn man kann seinen Mitspielern gehörig die Suppe versalzen.

Viticulture

Viticulture

Ansprechend gestaltetes Workplacementspiel rund um das Thema Weinanbau mit einer pfiffigen Solovariante. Benötig nach mehrfachen Spielen unbedingt die Erweiterungen.

Zuletzt wurde am 07.06. 2020 gespielt.