Schachteleinsätze im Eigenbau

Bei Brettspielen sind Schachteleinsätze Bollwerke gegen das Chaos. Sie sicher zuverlässig sonst herumfliegendes Material.

Knausrige Verlage

Während die Preise für Brettspiele kontinuierlich nach oben klettern, wir immer häufiger an Ausstattung und Material gespart. Ja, es gibt diese tollen Blender bei Kickstarter. Einige davon sehen leider nur so lange gut aus, bis man sie tatsächlich in den Händen hat. Dann kommt der Wunsch auf, wirklich jemanden zu kicken – in seine fünf Buchstaben.
Meinem Eindruck zu folge wird in letzter Zeit erheblich bei der Pappe gespart. Spielpläne und Tableaus, die sich nach oben biegen — warum auch immer. In meiner Sammlung sind Spiele aus den 60er und 80er Jahren, deren Pläne immer noch grade auf dem Tisch liegen.

Auch bei den tollen Plastikminiaturen, die tonnenweise als Blendmaterial zum Spiel gepackt werden, ist nicht alles palleti. Da biegen sich bei Rittern die Schwerter nach unten, als ob ihnen das Viagra ausgegangen wäre. Natürlich kann man das alles irgendwie beheben oder damit leben, prickelnd ist das dennoch nicht. Wenn dann noch die Anleitung von Fehlern nur so strotz, fühlt man sich nicht mehr als Kunde, sondern Beta-Tester. Mit dem Unterschied, dafür ein Schweinegeld bezahlt zu haben.

Was Schachteleinsätze angeht, polarisieren die — und taten es schon immer.

Schachteleinsätze aus Schaumpappe
Schachteleinsatz für Cuba Libre

Praktikabel Schachteleinsätze

Insbesondere in den 80er und 90er Jahren gab es waren Plastikmonster von Schachteleinsätzen. Viel billiges Plastik, aber selten so konstruiert, dass es auch nur annähernd sinnvoll war. Ziemlich gut kann ich nich noch dran erinnern, was wir damals im Freundeskreis mit den Schachteleinsätzen getan habe. Das einzig wirklich sinnvolle, sie fachgerecht entsorgt. Statt dessen nahmen wir Clipbeutel, die zu der Zeit schwer zu bekommen waren.

Mittlerweile bekommt man die an jeder Straßenecke hinterher geworfen, selbst Brettspielverlage packen davon mehr als reichlich in die Schachtel. Dafür gibt es dann keine Einsätze mehr. Im Ergebnis nutzt man dann die Beutel und zum Spielen auf dem Tisch irgendwelche kleinen Schälchen, damit alles ordentlich in Griffweite ist.

Das ist in der Form auch nicht befriedigend. Zuerst habe ich angefangen, mir mit kleinen Kunstoffdosen zu behelfen, die auch in die Spielschachtel passen. In Größe M kosten die pro Stück bei einem Händler 1 Euro. Für Terra Mystica gibt es ein Set, was zusammen 15 Euro kostet. Das ist preislich verträglich, aber passt nicht für alle Spiele.

Für Terraforming Mars etwa wurde es dann ein richtiger Schachteleinsatz, zumal es bei der von mir gekauften Lösung  auch noch die Auflagen für die Spielertableaus gab.

Schaumpappenzeitalter

Mittlerweile bin ich wieder einen Schritt weiter, die Initialzündung war hier ausgerechnet Gentes in der Deluxe-Edition. Es gab einen Schachteleinsatz aus Schaumpappe zum zusammen bauen. Die kann man auch für andere Spiele kaufen oder komplett selber erstellen. Als ich mich dann mit dem Thema Schachteleinsätze näher beschäftigt, stieß ich auf eine wäre Flut hilfreicher Informationen zum Thema.

Aus der Schaumpappe (Foam Core, Foamboard, Leichtschaumplatte) lassen sich die Einsätze mit etwas Übung günstig selber machen. Vorlagen gibt es genug. Meinen ersten Schachteleinsatz habe ich vergangene Woche für Gaia Project zusammengeklebt. Der sieht noch etwas rustikal aus, aber schließlich lerne ich noch.

Da ich mir vor ein paar Tagen Cuba Libre bestellt hatte, wollte ich heute für die Counter auch eine Lösung. Hie gibt es keinen fertigen Schachteleinsätze, ist aber auch kein Problem.

Lineal, Bleistift und Papier — schon hatte ich meine ganz eigene Lösung entworfen. Das Schneiden und der Zusammenbau gingen auch recht flott.

Steigern lässt sich das noch weiter, denn gestern bekam ich für Lisboa Schachteleinsätze zu sehen, die mit einem 3D-Drucker in Heimarbeit erstellt wurden. Leider sind es noch ein paar Monate bis Weihnachten.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Wasserkraft

In einer alternativen Wirklichkeit gehen 1930 die fossilen Brennstoffe zur Neige. Als neue Energiequelle bauen die Spielerinnen und Spieler Wasserkraftwerke. Das Spiel Barrage wird in der deutschen Übersetzung von Feuerland dieses Jahr in eine überarbeitet Fassung erscheinen.

Tiny Towns

Auf einem 4×4 großen Raster bauen die Spielerinnen und Spieler jeder für sich ihre kleine Stadt auf. Das passiert gleichzeitig, ohne Downtime und sorgt in der Variante „Prospektoren“ für taktische Rohstoffauswahl. Ein schönes und schnelles Spiel mit tollem Material.

Root

Das merkwürdige Entlein, bei dem ich den Kickstarter verpasst habe. Bei Root fehlte mir das Vorstellungsvermögen in Bezug auf Spieldesign. Unglücklicherweise, denn Root ist außergewöhnlich gut. Die einzelnen Fraktion spielen sich komplett anders. Vier Monate nach der Bestellung endlich im heimischen Regal angekommen.

Champions of Midgard

Champions of Midgard ist im Kern ein Workerplacement Spiel mit Wikingern. Dazu kommen glückslästige Würfelkämpfe und eine Mischung aus offenen und verdeckten Siegpunkten. Interaktion ist leider wenig vorhanden.

Zuletzt wurde am 15.03. 2020 gespielt.