Ascalion wiederentdeckt

Unschlagbarer Vorteile beim Ausrümpel ist die Entdeckung von verborgenem Schätzen. So schlummerte Ascalion Jahrzehntelange im Verborgenen.

Vergangene Anschaffungen

Gleich vorweg: Ascalion hat nichts mit den Nebeln von Avalon zu tun. Letzteres ist ein verdammt gutes, empfehlenswerte Buch von Marion Zimmer Bradley. Dagegen handelt es sich bei Ascalion um die deutsche Ausgabe von „Borderlands“, einem Fantasy-Brettspiel.

Gemeinsam haben beide, dass sie hier zu Hause lange in den Regalen schlummern. Allerdings habe ich die Nebel von Avalon zwei Mal gelesen, das erwähnte Brettspiel dagegen lediglich ausgepackt. Von Wesel zog es mit nach Bielefeld, dort in verschiedenen Wohnung bis es schließlich hier in der autofreien Siedlung landete. Immer außer Sichtweite im Spieleregal.

Seit Kurzem bin ich dabei, meine Spielesammlung zu reduzieren. Wenn auf fast 500 Spiele kommt, geht ja nach Wohnung der Platz aus. Bei uns ist es definitiv so. Auch setzt sich bei mir die Erkenntnis durch, die Hälfte davon bis Lebensende ehedem nie mehr zu spielen. Was zu einem nicht unwesentlichen Teil auch dran liegt, dass sich Geschmack und der Blick auf die Qualität verändert haben.

Zwei Mal habe ich bereits zusammen mit meiner Frau mehrere IKEA-Taschen voll aus der Wohnung transportiert, ohne das die Spieleregale nackt wirken. In unserem Arbeitszimmer stehen noch zwei Stapel, zwei Kartons voll Spiele hat mein Bruder bekommen. Die Last vergangene Anschaffungen fällt nur langsam von uns.

Spielplan von Ascalion
Spielplan von Ascalion

Alte Frische von Ascalion

Zurück aber zu Ascalion. Von der Original-Fassung unterscheidet sich die deutsche Ausgabe in ein paar Details. Durch zusätzlich Inseln kann es mit bis zu sechs Spielern gespielt werden — wobei vier die ideale Anzahl ist. Es gibt zudem Schiffe, vor allem aber Temple, religiöse Fanatiker, Universitäten und Bücher.

Was die Spielbarkeit anging, war ich gestern Abend extrem Skeptisch. Immerhin stammt Borderlands von 1982, die deutsche Ausgabe wurde 1990 verlegt. Um ehrlich zu sein, ich hatte auch schon ein Ziel vor Augen. Nicht das Spielziel, drei Städten zu errichten, sondern Ascalion auf den Stapel der Spiele, die uns verlassen werden, zu legen.

Die Spielregeln sind ein Kind der Zeit, wirken also wie eine Bleiwüste mit genau drei Illustrationen, um die dazugehörigen Beispiele etwas anschaulicher zu machen. Nach 22 Seiten DIN-A5 bleiben mehr Fragezeichen über, die sich erstaunlicherweise innerhalb der ersten Spielrunden sofort auflösen.

Man muss nur verstehen, dass sich Krieger-Einheiten nie bewegen, sondern vor allem den Besitz eines Territoriums kennzeichnen. Der beiliegende Würfel dient auch nicht zum Kämpfen, sondern klärt nur, ob bestimmte Phasen in einer Runde für alle Spieler stattfinden oder nicht.

Klassische Kämpfe

Das Ascalion sich flüssig spielt, liegt dran, wie elegant alles reduziert wurde. Produzierte Rohstoffe können transportiert werden, aber pro Runde kann jeder Spieler nur genau eine Transportation durchführen. Eine lange Downtime gibt es nicht.

Ein nicht unwesentlich Aspekt des Spiels sind die Phasen Handeln, bei dem frei mit Mitspieler gehandelt werden kann und der Kampf. Nur durch Kampf lassen sich neue Gebiete erobern, was aber immer durch Verdrängung stattfindet. Interaktion ist entsprechend vorhanden, insbesondere mit mehr als zwei Spielern, wenn Diplomatie wichtig wird, um sich gegen Angriffe zu verbünden.

Bei einem Kampf erklärt der Angreifer, von welchem eigene Land aus er welches gegnerische Land angreifen will. Dann werden die Stärkepunkte verglichen. Diese ergeben sich aus Krieger, Pferden (beide ein Punkt) Waffen (drei Punkte) sowie Booten (zwei Punkte), Schiffen und Städten (jeweils drei Punkte). Gezählt wird, was sich im Land des Angreifers und Land des Verteidigers befindet, sowie an das angepfiffene Land angrenzenden Einheiten, die die Verteidigung oder den Angriff unterstützen — was eben auch andere Mitspieler machen können.

Kommt der Angreifer auf mehr Punkte als der Verteidiger, setzt er den Krieger des Verteidigers durch einen eigene aus dem Verrate. Nach einem gelungenen Angriff hat man noch genau einen weiteren Angriff. Mehr nicht. Keine Tabellen, keine Würfel. Mich hat Ascalion positiv überrascht und wird daher auch in der Sammlung bleiben. Im Übrigen steckt hinter Borderlands das Team, von dem auch „Cosmic Encounter“ stammt.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Tiny Towns

Auf einem 4×4 großen Raster bauen die Spielerinnen und Spieler jeder für sich ihre kleine Stadt auf. Das passiert gleichzeitig, ohne Downtime und sorgt in der Variante „Prospektoren“ für taktische Rohstoffauswahl. Ein schönes und schnelles Spiel mit tollem Material.

Kitchen Rush

Bei Kitchen Rush handelt es sich um ein kooperatives Echtzeitspiel mit Sanduhren als Arbeiter zum einsetzen. Hektik und Streß in einem Restaurant werden dabei gut simuliert. Die Neuauflage von Pegasus sieht extrem gelungen aus.

Azul

Azul

Azul ist ein abstraktes Legespiele mit leicht zugänglichen Regeln und beindruckendem Spielmaterial. Nur am Anfang scheint die Interaktion nicht vorhanden zu sein, denn man kann seinen Mitspielern gehörig die Suppe versalzen.

Viticulture

Viticulture

Ansprechend gestaltetes Workplacementspiel rund um das Thema Weinanbau mit einer pfiffigen Solovariante. Benötig nach mehrfachen Spielen unbedingt die Erweiterungen.

Zuletzt wurde am 07.06. 2020 gespielt.