Auztralia unterschätzt

Ignoranz ist eine gute Möglichkeit im Umgang mit guten Brettspielen. Nicht nur in Bezug auf Auztralia ist das jedoch bedauerlich.

Ignoranz ist eine gute Möglichkeit im Umgang mit guten Brettspielen. Nicht nur in Bezug auf Auztralia ist das jedoch bedauerlich.

Mal wieder ein Wallace

Brettspiel zu unterschätzen, so was kommt immer wieder mal vor. Genau gesagt, mir unterläuft das regelmäßig. Wenn man bereits seit über 30 Jahren Brettspiele sammelt, ist das nicht nur ein Ergebnis versehentlicher Betriebsblindheit. Volle Regale und ein Stapel ungespielter Spiele lassen einen bei einigen Titel müde abwinken.

So ging es mir auch bei Auztralia. Zugegeben, das Cover sieht toll aus. Aber ehrlich, mit Cthulhu hab ich es nicht mehr so. In meiner Oberstufenzeit war es in gewissen Kreisen angesagt, die Kurzgeschichten und Romane von H. P. Lovecraft zu lesen. Ich fand sie auch großartig.

Mittlerweile sind die großen Alten aber im Mainstream angekommen und locken mich längst nicht mehr. Cthulhu, ja nett, jedoch kein Garant für ein unbedingt gutes Spiel. Die Kickstarter-Kampagne für Auztralia habe ich damals links liegen gelassen und den Titel auch schnell wieder vergessen. So wäre es auch geblieben, wenn das Spiel nicht woanders auf den Tisch gekommen wäre. Bau dir ein Eisenbahnnetz in Australien auf, errichte Farmen und lass dich dabei nicht von den großen Alten fressen oder in den Wahnsinn treiben und dann fressen. Allerdings hat sich das Ganze Martin Wallace ausgedacht.

Auztralia Ersteindruck
Down under

Stärken von Auztralia

Hinsichtlich des Autors von Auztralia ist es nicht dessen erster Titel, bei dem ich zu blöd war, die Stärken zu erkennen. Bei Brass ging es mir bereits so, aber hier konnte ich zumindest die zweite Auflage von Brass Birmingham in der Deluxe-Fassung ergattern. Bei Auztralia griff ich jetzt aus Gründen ebenfalls zur englischen Ausgabe.

Das Spiel habe ich definitiv unterschätzt. Nach mehr als fünf Partien kann ich schon mal einen kurzen Ersteindruck dazu wiedergeben. Die Regeln lassen keine Fragen offen. Man findet mit ihnen einen schnellen Einstieg ins Spiel und scheitert dann doch gnadenlos. Auch wenn man nicht die kooperative Variante spielt, kämpfen alle Spielerinnen und Spieler zusammen gegen die großen Alten. Haben die bei Spielende mehr Punkte, verlieren die Menschen.

Enden kann es mitunter recht schnell, aber das Spiel reizt zu einer sofortigen Anschlusspartie. Die einzelnen Elemente im Spiel greifen perfekt ineinander. Ein Kampfkartendeck mit mehreren Funktionen statt Würfel, immer wieder eine neue Verteilung der Alten, versteckt zwischen harmlosen Kängurus und eine geringe Downtime. Man fiebert mit, wenn andere am Zug sind. Ihre Aktionen beeinflussen nämlich, auf was man sich einstellen muss. Wer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, fährt das Spiel für alle an die Wand.

Persönlich gefällt mir die Idee, Zeit als Ressource zu verwenden, bei Auztralia besonders gut. Die Mechanik ist auch spannend umgesetzt, denn man hat einige Runde in Ruhe zum Aufbauen, bis Cthulhu und Co aktiv werden.

Zuletzt gespielt

Jede meiner Spielepartien wird mit Board Game Stats erfasst und ausgewertet. Die App ist für iOS und Android verfügbar. Mit ihr kann man auch seine Sammlung bei BGG verbinden und automatische jede Partie dorthin posten.

Über die Insights-Funktion der App entsteht regelmäßig eine Liste mit den Spielen, die ich am häufigsten gespielt habe im laufenden Jahr.

Tiny Towns

Auf einem 4×4 großen Raster bauen die Spielerinnen und Spieler jeder für sich ihre kleine Stadt auf. Das passiert gleichzeitig, ohne Downtime und sorgt in der Variante „Prospektoren“ für taktische Rohstoffauswahl. Ein schönes und schnelles Spiel mit tollem Material.

Kitchen Rush

Bei Kitchen Rush handelt es sich um ein kooperatives Echtzeitspiel mit Sanduhren als Arbeiter zum einsetzen. Hektik und Streß in einem Restaurant werden dabei gut simuliert. Die Neuauflage von Pegasus sieht extrem gelungen aus.

Azul

Azul

Azul ist ein abstraktes Legespiele mit leicht zugänglichen Regeln und beindruckendem Spielmaterial. Nur am Anfang scheint die Interaktion nicht vorhanden zu sein, denn man kann seinen Mitspielern gehörig die Suppe versalzen.

Viticulture

Viticulture

Ansprechend gestaltetes Workplacementspiel rund um das Thema Weinanbau mit einer pfiffigen Solovariante. Benötig nach mehrfachen Spielen unbedingt die Erweiterungen.

Zuletzt wurde am 07.06. 2020 gespielt.